Dienstag, 13. Juli 2010
Der Schach-Kuranyi
Was bisher geschah:
Zur Schacholympiade im September 2010 in Chanty-Mansijsk sollten die vier ELO-stärksten Deutschen Najditsch, Meier, Fridman und Gustafsson geschickt werden.

Allerdings gab es da wohl Differenzen zwischen dem DSB und den vieren, was die Prämien anbetrifft. Diese konnten trotz eines ziemlich peinlichen offenen Briefs von Jan Gustafsson nicht ausgeräumt werden.

Die vier blieben konsequent und sagten ab.
Daraufhin sagte der Bundestrainer, er wolle "mit einem "jungen Team" antreten, das bei der Schacholympiade hoffentlich Anschluss an die Spitze finden werde".

Und beim Prädikat "jung" denkt man offensichtlich nicht zuerst an den fünftplazierten der deutschen ELO-Liste, Igor Chenkin. Dieser zeigt sich nun durchaus angefressen, dass er nach Absage der ersten Vier nicht der erste Ansprechpartner zu sein scheint. In seinem offenen Brief schließt er dann auch unmissverständlich:
"Um es ganz klar zu sagen: Es ist mir völlig unverständlich, dass offenbar geplant ist, mich als (sowohl nach Elo als auch nach der DWZ) besten der nunmehr verfügbaren deutschen Spieler nicht zur Schacholympiade in meine alte Heimat mitzunehmen."

In der Tat ist es schwer zu verstehen, warum er nicht erster Ansprechpartner ist, zumal der Abstand zu Spielern wie Buhmann oder Bogner durchaus noch erheblich ist. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass Chenkin mit seinem Brief das genaue Gegenteil von dem, was er möchte, erreichen wird. Insofern droht ihm das Schicksal des Kevin Kuranyi.

Ansonsten werden noch Wetten angenommen, welche Spieler schlussendlich in Sibirien dabei und ob die Deutschen noch unter den ersten 30 Mannschaften in der Schlussabrechnung zu finden sein werden.

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Das B-Team
Vermutlich spielen Buhmann, Bogner, Baradmize, Bromberger, Braun und Bindrich. Zwar hätten Berelovich und Bischoff höhere Elo UND den richtigen Buchstaben, sind aber zu alt; Bezold und Bönsch haben andere Verpflichtungen...

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Tja,
dann kommt Igor wohl nur für das C-Team in Betracht ;o)

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Hmmm...
In meinen Augen war der offene Brief von Gusti keineswegs peinlich, sondern dringend nötig!

Es kann doch nicht Sinn der Sache sein, dass die besten deutschen Spieler für einen Hungerlohn zum wichtigsten Mannschaftsturnier der Welt fahren sollen. Auch die veröffentlichten Größenordnungen des Betrages sind keineswegs überzogen, genauso wenig wie die kolportierte Vorbereitungszeit von zwei Wochen.

Das ganze ist schon mehr als peinlich (jetzt doch!) für den DSB oder seine Wirtschafts GmbH oder wer auch immer da genau zuständig ist...

Die Reaktion von Igor Khenkin kann ich in der Folge mehr als gut verstehen. Jeder Schachspieler - ob Profi oder nicht - wünscht sich die Teilnahme an der Olympiade. Igor Khenkin wird m.E. wie die 'ersten 4' - und das muss mal so deutlich gesagt werden - um eine Teilnahme beschissen auf der Grundlage von... ja, auf welcher Grundlage eigentlich?!

Ich habe keine 2600+ und bin kein Profi, aber ich habe in der Jugend zweimal und als Erwachsener ein weiteres Mal für die hessische Auswahl gespielt. Die Kritierien waren jeweils weit vorher bekannt und veröffentlicht.

In der Jugend: Nach Wertungszahl, amtierende Hessische Meister haben Vorzug unabhängig von der Wertung.
Im Erwachsenenbereich: Nominierung und Aufstellung streng nach Wertungszahl.

Ganz so strikt muss es ja gar nicht sein, aber - trotz allen Respekts gegenüber allen diesen deutschen Spitzenspielern (auch wenn der Begriff weiter gefasst sein mag) - wenn der DSB das ernst meint, dann votiere ich für (Reihenfolge beliebig): Fabian Doettling, Philipp Schlosser, Ilja Schneider und mich.

Die ersten drei können wunderbar kommentieren, was so alles passiert ist und ich sorge für die Beiträge in der 'Zeitung' mit den 4 großen Buchstaben, indem ich vor jedem Spiel genug sibirischen Vodka zu mir nehme.

Ohne Worte!
Euer Lather alias Sebastian Gramlich

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Im Wesentlichen Zustimmung...
...aber professionelles Fundraising funktioniert sicherlich nicht so, wie es mit dem offenen Brief praktiziert wurde. Ob dies schon den Tatbestand der Peinlichkeit erfüllt, sei mal dahingestellt.

Ist Vodka-Trinken eigentlich so originell, dass man damit in die Springer-Presse kommt?

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Vodka und Fundraising
Also Gormally und Aronian haben es mit einer Handgreiflichkeit (es ging um Arianne Caoili) damals geschafft.

Ein deutscher Nationalspieler im Vollrausch!

Also bei der Schlagzeile werden sie sicher nicht nein sagen. Und ich schreibe dann täglich meine Meinung über die nächsten Gegner und veröffentlicht werden dann Fotos der Damenmannschaft oder sowas...

Zurück zum Ernst der Lage: Dass ein Vollprofi eine gewisse Aufwendung erwartet, ist doch mehr als verständlich. Dass im Profisport Leistung das oberste Kriterium darstellt, ist ebenso unbestritten.

Wer deutsche Schachnationalmannschaft spielen darf ist unklar.

Also für mich stimmt da was nicht....

Verzeiht mir die Polemik, ich kann es einfach nicht zurückhalten.

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Es ist passiert...
...der Bundestrainer hat seine Aufstellung bekanntgegeben, siehe hier. Bist leider nicht dabei, Lather.

Meine Vermutung, dass Chenkin damit nichts bewirkt, war jedenfalls zutreffend.

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Hallo, Sebastian!
Man kann den Bettelbrief von Gustafsson auch anders beurteilen. Lies bitte Olaf Teschkes Beitrag in http://rankzero.de/?p=4329

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Ich habe kein Problem mit anderen Meinungen und großen Respekt vor Olaf.

Allerdings sehe ich 2000 EUR als Vergütung für 4 Wochen absoluten Spitzensport für nicht grade viel an. Selbst 10.000 sind dafür keine Unsumme.

Um Tacheles zu reden: Hochgerechnet auf 15 Tage Spielzeit habe selbst ich schon von verschiedenen Seiten Antrittsprämien um und über 2000 EUR geboten bekommen. Da kann es doch bei den Cracks nicht um annähernd ähnliche Summen gehen...

Ich freue mich aber, dass nun (endlich?) mal eine Diskussion um das Thema entsteht!

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Na ja
also diese Hochrechnung funktioniert nicht gut, denn du wirst vielleicht für 9 Spiele in einer Liga jemanden finden, der Dich so bezahlt, aber das ist nicht hinreichend wiederholbar.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob das Gebot bei 2.000,- Euro lag oder ob da nur eine Zahl irgendwo aufgegriffen und entsprechend interpretiert wurde.

Ich bezweifle jedenfalls, dass die Vier während der Olympiade eine Möglichkeit finden werden, auf anderem Wege ein solches Honorar zu erspielen. Darüber hinaus gibt es bei der Olympiade auch richtig etwas zu gewinnen, denn Olympiasieger kann man nur dort werden.

Das ist übrigens auch der Grund, weswegen ich die Abwesenheit der Vier bei den deutschen Meisterschaften kritisiere. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht lukrativ sein mag, man kann dort einen Titel erlangen, der auch in der Selbstvermarktung einen Wert haben dürfte.

Ansonsten bleibe ich dabei: Wenn man das Ganze geschickt vermarktet und zwar nicht in letzter Minute mit einem Bettelbrief, dann kann man auch etwas bewirken. So haben die Akteure erst gehandelt, nachdem das Kind schon im Brunnen lag.

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Übrigens scheint mir der Titel dieses postings nicht ganz passend. Der Schalker Kuranyi hat ja mal in der Pause eines Länderspiels die Truppe verlassen und wurde ob dieses fauxpas nicht mehr berücksichtigt (m.E. völlig zu Recht). Von Chenkin hingegen ist eine Missetat dieser Art nicht bekannt (wobei sein Verhalten am Brett fragwürdig sein soll, wenn ich Raj T. Glauben schenke). Wenn wir schon eine Fußball-Analogie bemühen: Wie wäre es mit "Der Schach-Frings"?

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Hallo lather,

ich als Beitragszahler des DSB sehe mich keineswegs in der Verpflichtung, für das Gehalt von Schachprofis Sorge zu tragen. Wenn ihnen das Geld zu wenig ist - kein Problem, fährt eben ein anderer. Im Gegenzug muss natürlich der DSB sämtliche Förderungen für diese Vier einstellen, wenn sie nicht bereit sind, für ihren Verband (und das keineswegs kostenlos!) zu spielen.

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